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Heblos ist ein recht überschaubarer Ort bei Lauterbach in Hessen, am nordöstlichen Rand des Vogelsberges.
Heblos liegt an der L3161 die nach nur etwa 2km in Maar auf die B254 trifft. Von hier aus sind es dann ca. 16km nach Alsfeld oder 28km nach Fulda. Das Dorf mit seinen knapp 400 Einwohnern ist ein Ortsteil der Kreisstadt Lauterbach in Hessen.

Die erste urkundliche Erwähnung finden wir in der "Grenzbeschreibung der Kirche zu Schlitz" aus dem Jahr 812, wo Heblos zusammen mit Lauterbach erwähnt wird. Abt Ratgar von Fulda (802-817) verfasste diese Urkunde, um die Missionstätigkeit zu organisieren, denn seinerzeit war ein Großteil der Bevölkerung noch nicht vom christlichen Glauben bekehrt. Der Abt wählte die Stadt Schlitz als Mittelpunkt für seine Arbeit. Das ihm unterstellte Gebiet teilte er in drei so genannte "Kirchensprengel", Schlitz, Oberaula und Lauterbach, in denen Missionare wirkten.
Der Kirchensprengel "Lauterbach" umfasste etwa 125 Quadratkilometer und wurde wie folgt festgelegt:

 


Dies ist die Grenzbestimmung der Kirche Schlitz, in der die Kapelle Lauterbach liegt.
Von der steinernen Brücke zwischen Landenhausen und Angersbach zieht sie bis zum
Brunnen im Dorf Nagefures, dann über Sterrenrode, Libolfes, das Dorf Musles zum
Linberc, von da nach Vuighardes, Oberluderenbach zum Bach bei Hevenoldes, an
jenem Bach aufwärts bis zum Platz Warta, von da zur Quelle des Holenbaches, dann
abwärts bis zur Sualmana (Schwalm), jene abwärts bis zum Hügel in der Mühle
Ruobrahdes, dann bis zur strata publica (öffentliche Straße),........

 

"zum Bach bei Hevenoldes" (einige Quellen sprechen auch von "Hebenoldes") bedeutet dabei in unserer modernen Sprache "zum Bach bei Heblos". Denn "Hebenoldes" bedeutet so viel wie "Wohnsitz des Ebenolt". Ebenold war ein Siedler, der um das Jahr 800 vom Kloster Fulda eingesetzt, begann, sich im Gebiet des heutigen Heblos eine Existenz aufzubauen.

Außer dieser Erwähnung von 812 macht sich Heblos in der Literatur relativ rar. Es ist zwar bekannt, dass Heblos schon im 9. Jahrhundert zum Eisenbacher Besitz gehörte, aber für die nächsten Jahrhunderte wird es still.

Im Jahr 1711 wird die kleine Fachwerkkirche errichtet. Ein typischer Bau für Vogelsberger Dörfer.

1806
geht Heblos dann vom Eisenbacher Besitz in den Regierungsbezirk Hessen über.

Einer Aufstellung aus dem Jahr 1856 können wird später entnehmen, dass der Gemarkung Heblos offensichtlich "der Wald fehlt". Der Ort hat jetzt 240 Einwohner, von denen einige "wohlhabende Landwirte" sind. Es gibt unverhältnismäßig viele kleine und mittlere Brauereien. Man geht der Viehzucht, der Milchwirtschaft und dem Anbau von Hülsenfrüchten nach. Letzterer gab den Hebloser Landwirten dann auch ihren Spitznamen: "Linsenbauern"!

1890
entsteht das Schulhaus, welches bis in die 1970er Jahre genutzt wurde.

Im Jahr 1910 war die Bevölkerung von Heblos bereits auf 267 (evangelische) Bürger angewachsen. Fünfzig Kinder wurden in der Schule unterrichtet.

1948
zählte man 490 Einwohner. Allerdings gehörte seinerzeit der Ort Rimlos zu Heblos, und die Einwohnerzahlen wurden addiert. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde Rimlos wieder selbständig.

Zu Beginn der 1990er Jahre zählt Heblos 368 Einwohner.
Bei dieser Zahl möchte ich darauf hinweisen, dass man in einigen Chroniken, z.B. bei Wikipedia oder sogar bei der offiziellen Lauterbach-Homepage, die Formulierung "Die jüngste Statistik weist 368 Einwohner aus." findet. Dies ist ein typischer Fehler, wenn einer die Daten vom anderen kopiert! Denn diese Beschreibung findet man wörtlich (wie nebenbei bemerkt die komplette Chronik) bereits in dem Buch "Lauterbach - Geschichte und Gegenwart" von Hugo Katzer und Kurt Habicht aus dem Jahr 1991! Die Daten beziehen sich also nicht auf "die jüngste Statistik" sondern auf Daten von vor über 15 Jahren!


Sehenswertes:
Die alte Schule, die alte Mühle, das altes Feuerwehr Gerätehaus, die kleine Fachwerkkirche,
das Dorfgemeinschaftshaus mit Fußball- bzw. Baseballplatz

Vereine:
Die Theatergruppe Heblos spielt von Dezember bis Januar mit unglaublichem Erfolg unterschiedliche Theaterstücke
Der Kirmesclub aus Heblos und Sickendorf
Der HAS Heblos eV.
Die Spielvereinigung Heblos Rabbits Baseball
Die Freiwillige Feuerwehr Heblos






In dem Buch
"Lauterbach in Hessen - Geschichte einer Stadt und ihrer Bürgerschaft"
von Karl Siegmar Baron von Galéra,
welches 1966 zur 700 Jahr Feier der Kreisstadt erschienen ist, können wir folgendes lesen:

 


3. Kapitel - Die fränkische Organisation im 8. Jahrhundert

.... Mit den Klostergründungen [723-744] entwickelte sich ein Straßennetz, das im Norden des
Gebirges zwei Knotenpunkte hatte, einem im Lauterbacher Raum und einen im fünfzehn Kilometer
entfernten Altenburger Raum. Zum Teil wurden hierbei auch vorgeschichtliche Wege benutzt. ....

7. Eine wichtige Straße verband die beiden Klöster Fulda und Amöneburg. Später verband sie den Grabfeld-
und Ober-Lahngau. Auch sie verlief durch den Lauterbacher Raum. Wie die heutige Bundesstraße 254
überschritt sie die Altfeld zwischen Großenlüder und Landenhausen, wo schon im Mittelalter eine Brücke
bezeugt ist, und wandte sich, nachdem sie Landenhausen passiert hatte, nach Nordwesten, nach Angersbach.
Hier teilte sie sich: ein Zug verlief im Tale, der ältere, höher gelegene über das "Lehnchen" zum Karlshof und
durch die Hainigstraße nach der Porttreppe, die damals ein Fahrweg war. Von Lauterbach führte der Weg
am Nordrand des Altenberges durch das Tal des Brennerwassers über Rimlos und Heblos und über die
"Kirle" nach Wallenrod. In ziemlich gerader nordwestlicher Richtung ging es dann über Kirtorf nach Amöneburg.
In Maar zweigte ein Weg nach Altenburg, Ziegenhain, Borken und Fritzlar ab. An ihm finden sich
vorgeschichtliche Grabhügel.

                
[Quelle: Karl Siegmar Baron von Galéra: Lauterbach in Hessen - Geschichte einer Stadt und ihrer Bürgerschaft - Band 1]
 

Dies bedeutet also in Kurzform, dass sich Heblos bereits vor über 1200 Jahren an einem der wichtigsten Verkehrswege
der damaligen Zeit befand. Wie groß Heblos seinerzeit gewesen ist, lässt sich natürlich nur schätzen. aber jedenfalls
groß genug, um in dieser Aufstellung neben Fulda, Ziegenhain und Fritzlar erwähnt zu werden!

 


Eine weitere Erwähnung findet Heblos dann noch zum Thema Pfarrerwechsel in Lauterbach im Jahr 1633:
 


Im Jahr 1633 trat ein Pfarrerwechsel ein. Damit trat auch die Lauterbacher Schule in ein neues Stadium.
Am 11. Juni 1633 war Pfarrer Magister Christoph Schröder aus Schweinsberg als Nachfolger von Pfarrer
Schlanhoff angenommen worden. Am 14. Juni wurde er von Schweinsberg abgeholt. Die Stadt, der Wörth,
die Gemeinden Heblos und Rimlos hatten eine Kutsche, drei Wagen und einen Karren geschickt. Zwei
Wagen waren mit Pferden, einer mit vier Ochsen bespannt, die Kutsche wurde von drei Pferden gezogen.
Die Habseligkeiten des Pfarrers wogen 34 Zentner und wurden auf die Wagen und den Karren verladen.
Offenbar waren die Kriegsumstände [30jähriger Krieg!] die Ursache, daß die geistliche Karawane erst
am 27. Juni in Lauterbach eintraf. .....

            
[Quelle: Karl Siegmar Baron von Galéra: Lauterbach in Hessen - Geschichte einer Stadt und ihrer Bürgerschaft - Band 1]
 

13 Tage von Schweinsberg nach Lauterbach! Bei den damaligen Straßen waren das ca. 50 bis 60 Kilometer, also etwa
 4 bis 5 Kilometer pro Tag. Und keiner konnte mal schnell zuhause anrufen und Bescheid geben. Für heutige Verhältnisse
undenkbar, aber im 30jährigen Krieg durchaus normal. Es war überhaupt schon Glück, dass alle wieder zuhause
angekommen sind! - Im Jahr 1633 unterschied man, wie man hier sieht, auch noch "die Stadt" und "der Wörth".
Der Wörth lag damals noch vor den Toren der Stadtmauer Lauterbachs und war quasi eine eigenständige Siedlung.

 









Hier noch einige interessante Auszüge aus dem Buch
"So Leut sein mir in Vogelsberg und Schlitzerland"
von Georg Michel, Schroedel-Verlag
1964


Zuerst eine Geschichte zur Weihnachtszeit:


SAGEN UM MARIA
Völlig unbesorgt um die geographischen Gegebenheiten läßt die Sage den
Fluchtweg der hl. Maria mit dem Jesuskind auch unsere Heimat berühren.

Wo das Christkind herkommt:
Für die Hebloser Kinder kam früher das Christkind
aus einer romantischen Felswand am Altenberg. Ein Steinbruch hat die Felswand
zerstört. Da verlegte das Volk den Ort des Christkindchens in einen Eiskeller auf der
Lauterbacher Seite des Altenbergs.
Der Keller ist eingestürzt und seit mehreren Jahren abgesperrt. Darin soll das Christkind
nun seine Werkstatt haben. Großmutter schickt ihre Enkelkinder an den Keller, damit sie
dem Christkind ihre Wünsche zurufen. Das geschieht auch heute noch.


                                                                              [Quelle: Louise Fölsing und Kath. Zinn in Heblos]


Hier ein Bericht zur Aufgeschlossenheit der Hebloser Bevölkerung:


Dörfliche Verbundenheit einst und jetzt: ...... In Heblos hat sich vor über Hundert Jahren der
Bauer Andreas Möller ein Schreibbuch zusammengeheftet, darin hat er nicht nur Einträge über
seinen Betrieb (Düngung, Aussaat und Ernteergebnisse) gemacht, er hat auch die Dürre und
Teuerung im Jahr 1846 geschildert und einen eingehenden Augenzeugenbericht über den
Bauernaufruhr im März 1848 geliefert. Gar manche Chronik solcher Art zeugt von der geistigen
Aufgeschlossenheit des Landvolks für die überdörflichen Fragen seiner Zeit.     
                                                                                                                                   
[Georg Michel]


Zum Abschluss noch ein (recht bekanntes) Gedicht:


Hewels, Rimmels, Sickedorf! Nemm en Steck on hepp edorch!
Almeroad, des Doachsloch; Dirlamme, des Kartoffelsloch;
Hoppersfeld, der Deckel droff.
Freschborn, der Maddebail, Eiseboach, des is der Bäingl.
Räwehaa, der Bettelsack, Engelroad, der Reisefrack.
Blitzeroa, die große Stadt, die nur sieben Häuser hat,
es Backhaus is die Kerch, doa predigt dr Schäffersjörg,
ds Äppelche spielt die Orgel, dem rommbls in dr Gorgel!
 

Für alle, die sich mit der oberhessischen Mundart nicht so richtig auskennen,
hier ein Übersetzungsversuch (da reimt sich aber nichts mehr!):

Heblos, Rimlos, Sickendorf! Nimm einen Stock und hüpf´ hindurch!
Allmenrod, das Dachsloch (?); Dirlammen das Kartoffelloch;
Hopfmannsfeld, der Deckel drauf.
Frischborn, der Quarkbeutel, Eisenbach das ist der Bändel (um den Beutel).
Rebgeshain, der Bettelsack, Engelrod, der Reisefrack (*).
Blitzenrod, die große Stadt, die nur sieben Häuser hat,
das Backhaus ist die Kirche, da predigt der Jörg Schäfer,
das Äppelche (Dorfname) spielt die Orgel, dem rumpelt es in der Gurgel.

:                                                                      (*) in Engelrod gab es schon früh eine Posthaltestelle




Ich werde die geschichte(n) natürlich weiter ergänzen, wenn ich noch weitere Kuriositäten finde.
Also immer mal wieder reinschauen!

 

 

© Ralf Fuchs - 2008                                                                                                                            Impressum